Das Dorf Zeestow
Die politische Wende 1989 brachte für das reizvoll gelegene havelländische Dorf Zeestow Chancen und Probleme mit sich. Der Neubeginn für die 269 Einwohner, die fast ausschließlich von der Landwirtschaft lebten, war schwer. Für die versprochenen blühenden Landschaften brauchte es viel Fantasie und Optimismus. 1990 schien alles  zusammenzubrechen. 160 Leute aus der Genossenschaft, mehr als die Hälfte aller Einwohner, wurden mit einem Schlag arbeitslos.

Trotz der schwierigen Lage wurde an Aufgeben jedoch nicht gedacht. Die damals noch hauptamtliche Bürgermeisterin Marianne Schulze und die Gemeindevertretung suchten auf der Basis von Beschlüssen nach den Kommunalwahlen geeignete Wege, um Schwierigkeiten entgegenzusteuern. Fachleute machten sich an die Bestandsaufnahmen, entwarfen einen Dorfentwicklungs- und Flächennutzungsplan. Die Kirchengemeinde lag zu diesem Zeitpunkt schon lange darnieder, Kirche und Rüstzeitheim waren verwaist. Die wenigen, evangelischen Bürger Zeestows hatten sich bereits vor Jahrzehnten nach Brieselang orientiert.

Mit dem Wiederaufbau der Kirche, ihrer Nutzung als Autobahnkirche und der künstlerischen Ausgestaltung erwarten wir nicht weniger als eine Wiederbelebung des Dorfes. Dazu ermutigen uns erste Signale seitens des Dorfes, seitdem mit dem Wiederaufbau begonnen wurde. Das Dorf erhält eine lebendige Mitte zurück, der nun wieder deutlich sichtbare Kirchturm weckt Stolz und Selbstvertrauen. Wir rechnen noch nicht mit einem aufblühenden Gemeindeleben vor Ort, aber mit einer zunehmenden Identifikation des Dorfes mit der Kirche, da die Kirche wieder dort ist, wo sie hingehört – bei den Menschen.

Über die Kirche
kirche-zeestow-winterErrichtet wurde die Kirche Mitte des 19. Jahrhunderts, und zwar aus Backsteinen. Auf der Nord- und Südseite finden sich jeweils vier spitzbogige Fenster. Das Kirchenschiff ist mit einem Satteldach versehen. Auf der östlichen Seite des Daches steht ein Kreuz.

Im Osten hat die Kirche eine Dreiapsidengruppe mit spitzbogigen Fenstern und in der Mitte des Giebels ein Rundbogenfenster. Der Westturm ist quadratisch un d eingezogen. Das achtseitige Obergeschoß des Turmes hat vier Schallöffnungen. Im Turm hängt eine Glocke von 1848. Die Kirche betritt man durch das spitzbogige Portal an der Westseite des Turmes.

Die Zeestower Kirche ist von einem Friedhof umgeben, auf dem sich u.a. das Grabmal von Bredow (gest. 1793) und ein hoher kannelierter Säulenstumpf befinden. Seit etwa Mitte der 1960er Jahre finden auf dem Friedhof keine Beisetzungen mehr statt.