Philippus

Lass mich in Ruhe. Schau mich nicht so an. Ich rede nicht gerne. Ich kann das nicht gut.

Na gut … Philipp heiße ich. Ja, einer von denen, die mit dem Jesus von Nazareth umherzogen, der hieß auch Philippus. Viel gesagt hat der wohl auch nicht. Oder? Und es gab noch einen, der hieß auch Philippus, den hat ein Engel losgeschickt. Ein Engel! Steht einfach da, zeigt mit der Hand und sagt: ›Philippus, gehe zur Straße von Jerusalem nach Gaza.‹ ›Warum, was soll ich da?‹ Aber der Engel antwortet nicht mehr. Er ist schon verschwunden. Und Philippus geht los.

Die Straße ist einsam. Nichts zu sehen. Anders als heute, menschenleer. Aber dann doch – ein Fahrzeug. Eine Art Kutsche, vornehm. Langsam zuckelt sie näher. Philippus sieht jemanden darin sitzen, einen Schwarzhäutigen, wohl aus Afrika. Und der liest laut aus einer Schriftrolle. Philippus hört: ›Wie ein Schaf, das zur Schlachtbank geführt wird, tut er seinen Mund nicht auf.‹ Und da ruft Philippus ganz laut: ›Heda, vornehmer Herr! Was lest Ihr da?‹ Die Kutsche hält. Der Mann in der Kutsche schaut auf Philippus. ›Ich lese aus einer Buchrolle, die ich in Jerusalem gekauft habe. Aber ich verstehe das alles nicht. Kannst du mir das erklären?‹ ›Ja, das kann ich wohl.‹ ›Dann steige zu mir in die Kutsche.‹ – Und schon sitzt Philippus drin.

›Ich habe gelesen: Wie ein Schaf, das zur Schlachtbank geführt wird, tut er seinen Mund nicht auf. Was meint das? Von wem ist die Rede?‹ Und da beginnt Philippus zu reden. Er erzählt von Jesus, der den Mund nicht auftat zum Fluch für seine Peiniger. Er erzählt, was sie alles erlebt haben mit diesem Jesus.

Da wäre ich gerne dabei gewesen, wie die beiden sich so unterhielten in der Kutsche. Ich verstehe auch so vieles nicht. Andere wirken so sicher. Ich traue mich nicht. Ich krieg meinen Mund nicht auf.

Der Mann in der Kutsche hat sich nach dem Gespräch taufen lassen. Einfach so und ganz spontan. Auch nicht schlecht.

 

Jochem Westhof