Petrus

Guten Tag, ich bin der Peter. Viel ist mir nicht geblieben im Leben. Ich bin tief gefallen. Ich lebe heute unter der Brücke. Ziemlich bescheidene Situation.

Bei meinem Namensvetter von früher ist das anders. Den kennt jeder. Allerdings auch nur, wenn man sich über das Wetter beschwert oder dumme Witze über den Himmel erzählt. Dabei ist der richtige Petrus auch tief gefallen. Verlässt Frau und Kinder, Haus und Beruf und geht mit diesem Jesus von Nazareth mit. Bei ihm hört er größte Anerkennung: ›Simon Petrus, du bist stark wie ein Fels. Ich gebe dir den Schlüssel zum Himmelreich!‹ Starke Worte. Doch sie sind dem Petrus nicht gut bekommen. Er hält sich danach wohl für unfehlbar und unerschütterlich. Er verspricht: ›Und wenn alle dich verlassen, Jesus, ich bleibe bei dir! Immer, immer.‹ Dann wird es ernst. Sein Meister wird verraten, gefangen, gefoltert. ›Gehörst du nicht auch dazu?‹ fragt eine Frau den Petrus, ›bist du nicht auch einer von denen?‹ ›Nein, nein, ich doch nicht! Niemals!‹ Armer Petrus! Tief gefallen. Nur noch Tränen. Dreimal kräht der Hahn. Sein Meister stirbt. Ein elender Tod am Kreuz. Aus der Traum vom GottesReich. Zurück in den alten Beruf. Fischer am See. Nichts gefangen. Nichts geht mehr. Und doch geht die Geschichte weiter: Nichts gefangen auf dem See. Tiefe Resignation. Im Morgengrauen zurück. Eine Gestalt am Ufer: ›Kinder, habt ihr nichts gefangen.‹ – ›Nein, kein Stück!‹ – ›Dann müsst ihr das Netz zur anderen Seite werfen!‹ Wer sagt so etwas? Was ist das für eine fremde Gestalt? Sie werfen das Netz zur anderen Seite. Es ist übervoll mit Fischen. Wie kann das sein? Sie ahnen es und glauben es nicht. Am Ufer hat der Fremde ein Feuer gemacht. In der Glut ein paar Fische. Sie essen gemeinsam. Ein tiefer Friede zieht in ihre Herzen. Der Fremde Jesus schaut ihn an: ›Petrus, du hast den Schlüssel zum Himmelreich. Baue es auf!‹

Schöne Geschichte! Seit ich sie kenne, suche ich meinen Schlüssel zum Himmelreich. Haben Sie Ihren schon?

 

Jochem Westhof